Neues Museum
90402 Nürnberg
Luitpoldstr. 5

JOACHIM BANDAU. OPHELIA UND DAS MANNEQUIN

Laufzeit: 02. Dezember 2016 bis 30. April 2017

Joachim Bandau (geb. 1936) hat in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren mit seinen Polyester-Plastiken das Menschenbild einer kritischen Neuformulierung unterzogen: "Der Mensch erscheint reduziert auf eine Kombination beliebig austauschbarer, totaler Kontrolle unterworfener Funktionsträger, als ein Monstrum, dessen Verkümmerung in den Plastiken zwar noch erkennbar bleibt, das jedoch in der kühlen, spiegelnd sauberen Glätte der farbigen Oberflächen weitgehend entschärft erscheint...", schrieb der Kunstkritiker Jürgen Morschel 1972.

In Bandaus Plastiken artikuliert sich die zeittypische, doch zugleich auch aktuelle Sorge um die Zukunft von Selbstbestimmung, Demokratie und Humanität. Der Künstler schuf eindrucksvolle Zerrbilder einer Gesellschaft, die in seinen Augen unaufhaltsam auf "1984" zusteuerte, auf die Perfektionierung von Unterdrückung, Manipulation und Entfremdung unter technischen Vorzeichen.

Die Gefährdung des Menschen und seiner Freiheit findet bei Bandau Ausdruck in einer versehrten, verstümmelten und monströs mutierten Figuration. Mit Vorliebe zersägte der Künstler Schaufensterpuppen. Ein Unterleib oder eine Brustpartie, symmetrisch auseinandergeklappt und mit glasfaserverstärktem Polyester überformt, ergab so manchen oberen Abschluss von Bandaus Plastiken.

Aus dieser frühen Werkphase, die Joachim Bandau den künstlerischen Durchbruch brachte, besitzt der Künstler noch rund fünfzig, teils lebensgroße Skulpturen, die er dem Neuen Museum als Legat zukommen lässt. Das Museum, das mit den Grusinischen Tänzern von 1971 bereits ein Hauptwerk des Künstlers aus dieser Phase besitzt, erfährt eine immense Bereicherung seiner Sammlung. In fünf Räumen des Obergeschosses (darunter die Fassadenräume) findet das Defilee des Bandau'schen Monstrositätenkabinetts eine geeignete Bühne.

Mit dieser großen Sammlungspräsentation ehrt das Museum den Künstler, der am 18. April 2016 seinen 80. Geburtstag beging.

Zur Museumseite: Neues Museum

Kategorien:
Kunst | 20. Jahrhundert | 21. Jahrhundert | Europa |  Ausstellungen im Bundesland Bayern | Ort:  Nürnberg |
Vergangene Ausstellungen
2020 (3)
2019 (8)
2018 (11)
2017 (13)
2016 (14)
2015 (8)
2014 (17)
2013 (12)
2012 (9)
2011 (8)
2010 (7)
2009 (9)
2008 (2)
2007 (1)
2005 (1)
2004 (8)
2003 (6)
2002 (2)
2001 (3)
2000 (2)
Änderungen / Ausstellungen melden

Sie wollen Änderungen oder Ergänzungen zu Neues Museum mitteilen?

 Ausstellung melden  Ausstellungsbild senden  Museumsbild senden  Andere Änderungen  10 Highlights zeigen
Ausstellungsempfehlungen aus anderen Museen
Abbildung: Ophey, Walter, Rathaus im Sauerland, um 1920 © Kunstpalast, Düsseldorf
Farbe bekennen! Walter Ophey. Ein rheinischer Expressionist
Städtische Galerie
Bietigheim-Bissingen
08.02.2020 bis 10.05.2020
Der zu Lebzeiten weit über das Rheinland hinaus bekannte Künstler Walter Ophey (1882–1930) konstatierte einmal: »Ich fühle mich in der Farbe am wohlsten«. Ein starkes, mitunter fast rauschhafte...
Abbildung:  © Berthold Socha
Fabrik. Denkmal. Forum.
LWL-Industriemuseum Ziegeleimuseum Lage - Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Lage
23.11.2019 bis 29.03.2020
Vor 50 Jahren wurde als erstes Industriegebäude des Ruhrgebiets die Maschinenhalle der Zeche Zollern II/IV in Dortmund unter Schutz gestellt. Das war die Geburtsstunde der Industriedenkmalpflege. Zeh...