Deutsches Historisches Museum
10117 Berlin
Unter den Linden 2, Zeughaus

Die Erfindung der Einfachheit Biedermeier

Laufzeit: 08. Juni 2007 bis 02. September 2007

Mit rund 450 Exponaten aller Kunstgattungen aus der Zeit zwischen 1800 und 1830 werden wir Beispiele der Wohnkultur und des außergewöhnlichen Kunsthandwerks zeigen, die das neue ästhetische Ideal dieser Zeit verkörpern: die radikale neue Einfachheit. Es ist eine Ausstellung die alle Bereiche zusammenführt: Möbel, Porzellan, Glas, Silber, wissenschaftliche Instrumente, Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen.

Dieses innovatives Konzept ist bis heute die Geburtsstunde der Moderne. Die Kernidee des Biedermeierstils beinhaltet eine Fokussierung auf die Ideale der Natur, einer Reduzierung auf die einfachen Geometrien der Dinge und ein großes Interesse an den Oberflächenstrukturen der Objekte.

Die Ausstellung konzentriert sich mit der Auswahl von 450 Exponaten aus den Bereichen Malerei, Zeichnung und allen kunstgewerblichen Disziplinen auf den inneren Kern des Kunstschaffens dieser Epoche. Bereits vor 1800 bilden sich im Gegenzug zum herrschenden Repräsentationsstil die durch die „Vereinfachung auf das Prinzip“ der antiken Klassik geprägten Grundzüge der Biedermeierkunst aus. Unterbrochen durch die napoleonischen Kriege erfolgt von 1815 bis 1830 die Weiterentwicklung des sachlichen Stils, der sich durch die Schlichtheit der Oberflächengestaltung, die exakte Abbildung der Natur und die Verwendung elementarer Formen und Farben bis hin zu abstrakten geometrischen Tendenzen auszeichnet.

Entgegen der verbreiteten Annahme gehen die Impulse für diesen ersten „Modernen Stil“ des 19. Jahrhunderts von den Residenzstädten der europäischen Höfe aus. Zu den führenden Zentren der Kunstproduktion der Aufklärung gehören Weimar, Karlsruhe, München, Berlin, Kopenhagen, Prag und Wien. Im Zuge der wirtschaftlichen Reformbestrebungen entstehen hier staatliche Musterbetriebe und private Manufakturen, deren Konkurrenz einen regen Austausch zwischen den Metropolen befördert. An den Kunstakademien und neu gegründeten Zeichenschulen wie Gewerbeschulen werden mit der Lehre einer professionellen Entwurfskunst die Grundzüge für den modernen Designunterricht festgeschrieben.

Die vielfältigen Erkenntnisse über Gestaltung, die in den Naturwissenschaften, der Botanik, der Geologie und Mineralogie gewonnen werden, führen zur Bildung neuer Strukturen der Wahrnehmung. Sowohl in der Malerei und Graphik als auch in der Möbelkunst, der Porzellan- und Glasgestaltung folgt ein Streben nach dem exakten Abbild der Natur. Als Vermittler der neuen ästhetischen Programmatik (zum Beispiel der Farbenlehre Goethes) dienen die Kunstzeitschriften wie das „Journal des Luxus und der Moden“ und das „Schorn’sche Kunstblatt“. Erst mit der gezielten Verbreitung und der Kenntnis dieser innovativen und stilprägenden Gestaltungsformen erfolgt seit etwa 1830 die breite Rezeption der Biedermeierkunst durch die bürgerlichen Käufer

Die Erfindung der Einfachheit- Biedermeier ist eine internationale Kooperation des Milwaukee Art Museum, der Albertina, Wien, des Deutschen Historischen Museums, Berlin, und des Louvre, Paris.

Katalog: Katalog, 440 Seiten, 29 Euro, zum schönsten Kunstbuch mit dem viennaartbookaward prämiert

Kategorien:
Design | Kulturgeschichte | Kunst | Kunstgewerbe | Kunstgeschichte | Kinder |  Ausstellungen im Bundesland Berlin | Ort:  Berlin |
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