Der dritte Mann - Franz Krause (1897-1979)

Laufzeit: 11. Mai 2010 bis 25. Juli 2010

Willi Baumeister und Oskar Schlemmer prägen das Bild des Künstlerkreises (1937-1942) um den Wuppertaler Lackfabrikanten Kurt Herberts. Als „entartet“ diffamiert, konnten beide seit 1937 nur in Isolation und Anonymität künstlerisch arbeiten. In seinem Wuppertaler „Institut für Malstoffkunde“ schirmte Herberts sie gegen den Nationalsozialismus ab und garantierte Arbeitsfreiheit. Die Fensterbilder, mit welchen Schlemmer sein Lebenswerk abschloss, entstanden in der inneren Emigration seines Wuppertaler Ateliers. Baumeister fand durch die maltechnischen Experimente des Kreises zu seinem Spätwerk.

Wenig bekannt ist der Name des Dritten im Bunde: Franz Krause (1897-1979), dessen Anteil an den Kooperationsaufgaben nicht unterschätzt werden darf. Seit 1937 in Wuppertal lebend, befeuerte er als Architekt eine Reihe von Gemeinschaftsprojekten des Arbeitskreises durch seine experimentelle, spielerische Arbeitsweise. Die maltechnischen Versuchsreihen tragen auch seine Handschrift, beispielhaft ist die gemeinsam erarbeitete Lacktafel-Serie.
Mit Oskar Schlemmers Lackschrank- und Lackkabinett-Entwürfen und weiteren Zeichnungen bietet die Ausstellung einen Einblick in das Aufgabenfeld, zu dem auch eine Reihe von Publikationen wie der Band „Modulation und Patina“ gehörten.

Parallel zu den Experimenten mit grundlegenden Elementen der Malerei arbeitete Krause an Verfahren räumlichen Entwerfens und Gestaltens. Drei Architekturprojekte der Nachkriegszeit werden anhand einiger Skizzen Krauses vorgestellt, die unmittelbar das Charakteristikum seines Raumkonzepts vermitteln: die „gefügigen Konturen“, die organverwandte Ausdrucksform der „fließenden Formen“. Nur eines davon wurde realisiert: „Haus Waldfrieden“ in Wuppertal, das Tony Cragg vor dem Verfall bewahrt und 2007 wunderbar hat restaurieren lassen, nachdem er das Anwesen für seinen Skulpturenpark erworben hatte.

Neben einer Auswahl von Werken Baumeisters und Schlemmers aus dem Sammlungsbestand wird Franz Krauses selten gezeigtes bildnerisches Werk ausführlicher vorgestellt. Die Aquarelle aus rund 40 Jahren, die parallel zu seiner Tätigkeit als Architekt und Bauleiter kontinuierlich entstanden, zeigen große Subtilität im Umgang mit malerischen Problemen und die Fähigkeit zu Abstraktion und Integration. Von seiner Hand stammen die ersten Brandcollagen im Arbeitskreis, er brachte auch Erfahrungen in Schablonentechnik mit ein.

Charakteristisch für Franz Krause ist ferner das Sichtbarmachen gedanklicher Bewegungen im Spiel. Wir zeigen entsprechend einige Ergebnisse seiner systematischen, experimentellen und spielerischen Reflexionen, mit denen er die Bearbeitung architektonischer Aufgaben stets begleitete: Varianten seines Verschiebespiels „Vepada“ oder die kleinen Styropor-Plastiken, die Krause als „Raumspiele“ serienweise herstellte, um das „Konvex-Konkav-Prinzip“ durchzudeklinieren. Auch die Sprache verwendete er als Material: Wortfragmente als Fundstücke bilden nicht nur Titel seiner Aquarelle; in erweiterter Form entstehen abstrahierte Lautgedichte und Sprachspiele mit dem Banalen, dem Zufall, dem Widersinn.

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Kunst |  Ausstellungen im Bundesland Nordrhein-Westfalen | Ort:  Wuppertal |
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