Abbildung: Heinrich Schmidt-Pecht (1854 Konstanz - 1945 Konstanz); Blumenstrauß;1915; Öl auf Leinwand © Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz

Heinrich Schmidt-Pecht. 1854 - 1945
Ein Leben für die Kunst

Laufzeit: 26. Januar 2019 bis 28. April 2019  

Heinrich Schmidt-Pecht, 1854 in Konstanz geboren und dort 1945 gestorben, verbrachte den größten Teil seines 91jährigen Lebens in seiner Heimatstadt und stellte dieses ganz in den Dienst der Kunst. Über ein halbes Jahrhundert zählte er zu jenen Persönlichkeiten, die das kulturelle Leben in der Bodenseestadt dominierten.
Nach einem Kunststudium übernahm Schmidt-Pecht 1880 die väterliche Druckerei, gab diese jedoch bald auf und wandte sich mit seiner Frau der Kunstkeramik zu, mit der sie internationale Erfolge feierten. Der Erste Weltkrieg zwang sie jedoch zur Einstellung des Betriebs. 1887 war Schmidt-Pecht zum Ersten Vorsitzenden des Konstanzer Kunstvereins gewählt worden, 1889 übernahm er zudem die ehrenamtliche Leitung der Wessenberg-Galerie. In dieser Doppelfunktion kam ihm großer Einfluss zu: Er hatte nicht nur maßgeblichen Anteil an der kommunalen Ausstellungspolitik, sondern sollte auch die inhaltliche Ausrichtung der Sammlung der Galerie über lange Zeit nahezu allein bestimmen.
56 Jahre stand Heinrich Schmidt-Pecht der Wessenberg-Galerie vor. Seine künstlerische Sozialisation war unter dem Eindruck von Historismus und Jugendstil erfolgt und dementsprechend setzte er auch die Schwerpunkte seiner Ankäufe. Seit seiner Studienzeit war er mit zahlreichen Künstlern bekannt, deren Werke er für die ihm anvertraute Galerie zu gewinnen suchte. Der damals modernen Kunst wie Expressionismus oder Neuen Sachlichkeit stand er weitgehend ablehnend gegenüber und erwarb nur zögernd, seit den 1920er-Jahren durch die Einrichtung einer städtischen Ankaufkommission mehr gezwungen als freiwillig, wenige Werke dieser Richtung verbundener Künstler. Auch in der Zeit des «Dritten Reiches» blieb Heinrich Schmidt-Pecht seinem konservativen Kunstgeschmack treu, setzte sich aber entschieden zur Wehr, als die Nationalsozialisten 1937 sieben Werke aus der städtischen Sammlung als «entartete Kunst» beschlagnahmten. Da das Ehepaar Schmidt-Pecht kinderlos blieb, vermachte es seine eigene Sammlung der Stadt Konstanz und sollte damit die inhaltliche Schwerpunktsetzung auf der Kunst der Jahrhundertwende.
Unter dem Titel «Ein Leben für die Kunst» stellt die Ausstellung nicht nur Heinrich Schmidt-Pechts vielfältiges Wirken dar, sondern zeichnet auch seine Beziehungen zu Künstlern nach und erforscht erstmals der Inhalt seiner eigenen Sammlung. Eine wichtige Quelle bei dieser Annäherung sind Schmidt-Pechts Memoiren, die bisher nur als Typoskript in wenigen Exemplaren existieren und in einer kommentierten und reich bebilderten Ausgabe neu herausgegeben werden. Diese «Erinnerungen aus einem langen Leben in der Heimatstadt Konstanz» zeichnen das facettenreiche Bild eines kunstbegeisterten und engagierten, aber keineswegs unumstrittenen Mannes und lassen zugleich ein interessantes Kapitel Konstanzer Kunstgeschichte lebendig werden.

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