Germanisches Nationalmuseum
90402 Nürnberg
Kartäusergasse 1

Johannes Grützke. Die Retrospektive

Laufzeit: 24. November 2011 bis 01. April 2012

Johannes Grützke zählt zu den profiliertesten gegenständlichen Malern in Deutschland. Erstmals wird in einer Retrospektive sein Gesamtwerk umfassend präsentiert. Bislang ist er vor allem für seine Gemälde bekannt geworden, darunter "Der Zug der Volksvertreter" in der Frankfurter Paulskirche. Die Ausstellung bietet ein Panorama über das ganze Oeuvre des vielseitig arbeitenden Künstlers und wirft einen persönlichen Blick auf einen außergewöhnlichen Menschen.

Die großangelegte Retrospektive im Germanischen Nationalmuseum zeigt einen Überblick über alle Werkfacetten Grützkes. Sein künstlerisches Werk geht weit über die bekannten Gemälde und Graphiken hinaus: Er schuf Druckgraphiken, Pastelle, Plastiken, Buchillustrationen, literarische Arbeiten und Theaterentwürfe. Bis heute ist er als Redner, Schauspieler und musizierender "Erlebnisgeiger" tätig. Zwischen 1992 und 2002 unterrich­tete er auch an der Nürnberger Akademie der Bildenden Künste.

Sieben Themengruppen stellen Grützkes Werke gattungsübergreifend vor. Das erste Kapitel empfindet sein Künstleratelier nach. Es ist ihm Repräsen­tationsort, Schausammlung und Werkstätte zugleich, was in der Ausstellung nachvollziehbar gemacht wird. Im Kapitel "Der Künstler" wird Johannes Grützke - sowohl in realen als auch in fiktiven Selbstportraits - vorgestellt. Aus jeder Dekade entstammt ein Selbstportrait. Zudem sind Graphiken, Plastiken und Gemälde von Männern zu sehen, die zwar Grützkes Gesichtszüge tragen, jedoch für die Menschheit ganz allgemein stehen.

Der Raum "Männer und Frauen" widmet sich diesem zentralen Thema im Werk von Grützke. Ende der 1960er Jahre begann er or­dentlich gekleidete Geschäftsmänner zu malen, die jedoch mit ihren Grimassen und absurden Handlungen beim Betrachter Irritationen auslösen. Anfang der 1970er Jahre traten Darstellungen von nackten Frauen hinzu.

Der Themenkomplex "Der Erzähler" zeigt Grützkes Historienbilder, die sich zum einen auf reale Ereignisse beziehen, zum anderen frei erfunden sein können. Von zentraler Bedeutung ist das Monumentalwerk "Der Zug der Volksvertreter" für die Frankfurter Paulskirche. Als eines der gelungensten Historienbilder des 20. Jahrhunderts trug es wesentlich zur Reputation des Künstlers bei. In Nürnberg ist es durch einen zehnteiligen Zyklus von Linolschnitten vertreten. Grütz­kes Lust am Fabulieren offenbart sich in vielen seiner "fiktiven Historiengemälde". In Komposition, Lichtführung und Figurenarrangement erinnern sie häufig an Gemälde vergangener Epochen, doch keine der Bildgeschichten lässt sich entschlüsseln oder mit einem tieferen Sinn aufladen.

In einem weiteren Kapitel wird die Beziehung Johannes Grützkes zum Theater vorgestellt: So war der Künstler über Jahre hinweg enger Mitarbeiter des berühmten Regisseurs und Intendanten Peter Zadek und schuf zahlreiche Bühnen- und Kostümentwürfe. Der nächste Themenkomplex veranschaulicht Grützkes vielfältige Bezüge zur Musik und zum Film. Eine Hörstation ermöglicht den Besuchern, seine Musikstücke als einer der "Erlebnisgeiger" sowie einige seiner selbst vorgetragenen Texte nachzuhören. Eine Film­station zeigt Grützke als Schauspieler, etwa in den Filmen "Die flambierte Frau" oder "Otto - Der Film". Nicht zuletzt stellt die Ausstellung im Kapitel "Das Portrait" zum ersten Mal überhaupt den Künstler als vielgefragten Porträtisten vor. Viele Bekannte wie Rolf Hochhut, Gerhard Schröder, Robert Walser oder Richard von Weizsäcker sind hier zu entdecken.

Katalog: Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog. Preis im Museumsshop 28,50 Euro, im Versand und Buchhandel 38,- Euro.

Zur Museumseite: Germanisches Nationalmuseum

Kategorien:
Kunst | Zeitgenössische Kunst | 20. Jahrhundert | 21. Jahrhundert |  Ausstellungen im Bundesland Bayern | Ort:  Nürnberg |
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