Pinakothek der Moderne
80333 München
Barer Str. 40

Fiona Tan | 80 Tage

Laufzeit: 21. September 2007 bis 06. Januar 2008

Die Kooperation zwischen der Pinakothek der Moderne und dem Siemens Arts Program, die mit der Übergabe der Siemens Fotosammlung im Jahre 2003 begonnen hat, findet nun eine Fortsetzung: Gemeinsam erarbeiteten die Kuratorinnen Inka Graeve Ingelmann (Pinakothek der Moderne) und Angelika Nollert (Siemens Arts Program) die Ausstellung »Fiona Tan | 80 Tage«. Sie gibt Gelegenheit zu einer konzentrierten Betrachtung der jüngeren Foto-, Film- und Videokunst der in Amsterdam lebenden Künstlerin. Zu sehen sind sieben Film- und Fotoinstallationen. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die tableauartigen Werke »Vox Populi« (2004-2007) und die Filminstallation »Countenance« (2002). Ein wesentliches Thema der Künstlerin ist die Frage nach dem zeitgenössischen Porträt in Fotografie und Film.

Es gibt in Tans Werk eine fortwährende Auseinandersetzung mit Vorstellungen von individueller und kollektiver Identität. Im Angesicht von sozialem Wandel und der Vernetzung verschiedener nationaler Kulturen erforscht die Künstlerin verzweigte Formen kultureller Anbindung.



»Fiona Tan | 80 Tage« ist eine Ausstellung, die den Stellenwert von Kultur und Tradition für den Menschen in der Gegenwart beleuchtet und in diesem Zusammenhang bestimmte Funktionen und gesellschaftliche Gebrauchsweisen von Fotografie und Film thematisiert. In ihren Arbeiten kombiniert die Künstlerin dokumentarisches Archivmaterial, Fremdfotografien und eigene Filmaufnahmen zu bildhaften Sequenzen und lässt die Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion verschwimmen.



Aus drei Ländern verschiedener Kontinente entwickelte Fiona Tan ihre Arbeiten mit dem Titel »Vox Populi«, deren drei Teile in München erstmalig gemeinsam zu sehen sind. In Norwegen, Australien und Japan sammelte sie Amateurfotografien unbekannter Personen, vereinheitlichte sie durch gleiches Format und Rahmung und fügte sie zu einer rhythmischen Struktur an der Wand zusammen. »Vox Populi« befragt die Bedeutung von historischer und zeitgenössischer Fotografie als Möglichkeit, die Welt zu archivieren. Aus dem dokumentarischen Material, das Erinnerungen von Privatpersonen trägt, entwickelt Tan eine Art kollektives Fotoalbum, das von der Geschichte und Kultur verschiedener Länder erzählt. Kulturelle Identität als passiv übernommenes, einheitliches Schema wird in Tans Arbeit abgelöst von einer produktiven, offenen Praxis, die fortwährend neue Identifikationen entstehen lässt. »Vox Populi« ist der Versuch, monokulturelle Standpunkte zu transzendieren und die Unterscheidung zwischen Eigenem und Fremdem immer mehr aufzuheben.



Fiona Tans Arbeit »Countenance« entstand während ihres Aufenthalts in Berlin und zeigt etwa 200 filmische Ganzfigurenporträts von Männern und Frauen. Tan interessieren bestimmte berufliche Milieus, wie das eines Bäckers, eines Künstlers oder eines Büroangestellten sowie deren sozialer Hintergrund. In Anbetracht von Globalisierung und hoher Arbeitslosigkeit fragt sie nach unserem gegenwärtigen Verständnis von Arbeit. Der Schwarz-Weiß Film »Countenance« ist eine Referenz auf das in den 1920er Jahren entstandene Mappenwerk von August Sander »Menschen des 20. Jahrhunderts«. Mit seinen von vorne und in unbewegter Haltung aufgenommenen Personen besitzt der Film die Ästhetik aneinander gereihter Fotografien. Die von Sander ursprünglich enzyklopädisch gedachte Untersuchung wird bei Tan in eine soziokulturelle Studie umgewandelt.

Katalog: Begleitend zur Ausstellung erscheint bei Book Works die Publikation »Fiona Tan: Vox Populi, Tokyo«.

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Kategorien:
Fotografie | Zeitgenössische Kunst |  Ausstellungen im Bundesland Bayern | Ort:  München |
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