Sprengel Museum Hannover
30169 Hannover
Kurt-Schwitters-Platz

Sprengel-Preis für Bildende Kunst 2016 der Niedersächsischen Sparkassenstiftung: Toulu Hassani. Minus Something

Laufzeit: 26. November 2016 bis 05. Februar 2017

Mit der diesjährigen Sprengel-Preisträgerin Toulu Hassani wird eine Malerin geehrt, deren Werk eine langsame, konzentrierte und widerständige Befragung ihres Mediums darstellt. Mit großer Aufmerksamkeit für Details erarbeitet sie in verschiedenen Techniken wie Zeichnung, Frottage, Malerei und Epoxidharzgüssen konzise Bilder und Bildobjekte.
In den letzten Jahren ist Hassani vor allem mit ihren durch eine reduzierte Ornamentik charakterisierten Bildern bekannt geworden. Bei diesen setzt sie schriftähnliche, minimale Strukturen mit Hilfe von Feinhaarpinseln und Feinminenstiften auf mittel- und kleinformatige Leinwände: ruhige und zugleich in sich bewegte Bilder entstehen. Vergleichbar dem Prozess des Schreibens beinhaltet das Malen hier ebenso einen meditativen Aspekt wie das Fixieren eines an sich offenen Prozesses.

Wie bei handschriftlichen Aufzeichnungen ergeben sich dabei Abweichungen und Unregelmäßigkeiten – die Balance zwischen Ruhe und Störung, Harmonie und Irritation hält das Bild so in zurückhaltender Bewegung.
Bei einigen der jüngsten Arbeiten hat die Künstlerin frühere Epoxidharzobjekte weiter entwickelt. Füllte sie zunächst bespannte Keilrahmen mit Kunstharz aus, die Teil des Objekts blieben, gewinnen diese nun eine größere Eigenständigkeit. Zuvor skulptural bearbeitete Leinwände, die in Rahmen gestaucht, gefaltet, gespannt oder gehängt werden, werden abgegossen: das neu entstehende Gebilde gibt feinste Details wie die Leinwandstruktur oder die Abdrücke der Holzleisten wieder. Es findet ein regelrechtes Abbilden des ursprünglichen Bildes statt, das damit ebenso präsent wie abwesend ist. Durch die Herstellung und den Einsatz von verhalten farbigen, dunklen oder weißlichen Harzen gewinnen Hassanis Wandobjekte eine weiche Materialität, eine spezifische Farbigkeit und eine stark mit dem Raumlicht interagierende Gegenwart.
In der Ausstellung „Minus Something“, die im Sprengel Museum Hannover ausschließlich Arbeiten von 2016 zeigt, überträgt sich die Konzentration von Hassanis Kunst auf die räumliche Installation, die introvertiert und zurückgenommen erscheint. Die reduzierten Bilder und Objekte stimmen die zwei Räume für sich ein; wie eine Fußnote präsentiert eine von der Künstlerin entworfene Vitrine Fundstücke und Arbeitsproben. Eine neue Raumarbeit entsteht aus den Nebenprodukten der für die Entwicklung von Gemälden verwendeten Fotokopien: einfache Schattierungen sind auf Papieren fixiert und wie ein großflächiges Ornament an die Wand gebracht. Hier deutet sich eine Offenheit zum Außen an, die das Vorhandene auch als Flüchtiges versteht: so wenig wie ein Bild einfach gesetzt ist, ist es seine Wahrnehmung.
Toulu Hassani (geb. 1984, lebt in Hannover) studierte von 2005 bis 2011 Freie Kunst bei Professor Hartmut Neumann, Professor Thomas Rentmeister und Professor Walter Dahn an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. 2008 bis 2009 studierte sie an der Universität von Valencia, Spanien. Nach dem Atelierstipendium des Kunstvereins Hannover in der Villa Minimo 2013 erhielt sie 2014 das New York-Stipendium der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und des Landes Niedersachsen.

Zur Museumseite: Sprengel Museum Hannover

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