News

2.7.2018

Titanenwurz geht im Botanischen Garten Berlin in Blüte Größte Stinke-Blume der Welt aus Indonesien
Veröffentlicht von: Botanischer Garten Berlin
Ein Exemplar der größten Blume der Welt wird sich voraussichtlich in der kommenden Woche im Botanischen Garten Berlin öffnen: Die Titanenwurz (Amorphophallus titanum) hat eine Blütenstandsknospe ausgebildet. Die Blume der Titanenwurz ist eine der spektakulärsten Erscheinungen in der Pflanzenwelt und eine große Seltenheit. Das eigentliche Blühspektakel dauert nur drei Tage. Der Blütenbeginn wird über die Webseite und Facebook bekannt gegeben. Aktuelle Informationen zur Titanenwurzblüte können (in Kürze) unter www.botanischer-garten-berlin.de abgerufen werden. Der Blütenstand maß heute Morgen (28.06.2018) 80 Zentimeter von der Erdoberfläche bis zur Spitze. In den letzten Tagen war täglich ein Längenzuwachs von mehreren Zentimetern zu verzeichnen. Das tropische Gewächs aus Indonesien ist aktuell im Victoriahaus zu bestaunen täglich von 9 bis 19 Uhr und während der Victorianächte am Samstag sogar von 9 bis 24 Uhr. Das vor knapp zwei Wochen wiedereröffnete Victoriahaus mit seiner hohen Temperatur und Luftfeuchtigkeit bietet dem tropischen Gewächs für die Blütezeit die besten Wachstumsbedingungen im Schaubereich. Es ist das erste Mal, dass eine Titanenwurz im Victoriahaus gezeigt wird. Die übrige Zeit wächst die Pflanze in einem speziellen Anzuchtsgewächshaus hinter den Kulissen.



Was wird während der Blütezeit zu sehen und zu riechen sein?

Das eigentliche Blühspektakel dauert nur drei Tage: Die Pflanze ist ein Nachtblüher und im Laufe eines Nachmittags wird sich ein großes Hochblatt (Spatha) öffnen, welches den großen Kolben (Spadix), einem hochfliegenden Rock gleichend, umgibt. Die Titanenwurz gibt besonders am ersten Blühtag bzw. der ersten Blühnacht einen intensiven Aasgeruch ab. Im Laufe des zweiten Blühtages wird sich das Hochblatt ganz langsam schließen. Im Laufe des dritten Tages ist das botanische Schauspiel vorüber: Der Blütenstand beginnt zu welken und allmählich in sich zusammenzufallen.



Genaue Voraussage der Blütenöffnung

Die genaue Vorhersage, wann sich der Blütenstand entfaltet und die Blüten öffnen, ist sehr schwierig und meist erst am Morgen oder Mittag des Blühtages möglich. Gärtner und Wissenschaftler des Botanischen Gartens Berlin nehmen an, dass sich der attraktive Blütenstand ab Mitte der nächsten Woche öffnen wird. Da die Titanenwurz in dieser Wachstumsphase sehr empfindlich ist, bleibt es bis zur letzten Minute ungewiss, ob sich der Blütenstand wirklich öffnet. Es wird also für Botaniker, Gärtner und Besucher sehr spannend.



Übler Geruch nach Aas

Mittels Aasgeruch lockt die Titanenwurz in der Natur Insekten (vermutlich Aaskäfer und Fliegen) durch ein Täuschungsmanöver in den Blütenstand, die für ihre Eiablage einen verwesenden Tierkadaver suchen. Im Blütenstand der Titanenwurz finden die Insekten keinen geeigneten Brutplatz – aber sie bestäuben bei ihrem Besuch die weiblichen Blüten, die nur in der ersten Nacht Pollen aufnehmen können. Erst in der zweiten Nacht öffnen sich die männlichen Blüten und geben ihren Pollen ab – eine perfekte Strategie, um Selbstbestäubung zu verhindern. Damit der Geruchslockstoff besonders gut verströmt, erhöht die Pflanze die Temperatur im Kolben gegenüber der Umgebung und der Blütenstand gleicht einer Geruchsfackel. Während der ersten Nacht ist der Geruch besonders intensiv, danach deutlich geringer.



Riesenblume aus Indonesien

Die Titanenwurz, Amorphophallus titanum, ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der Aronstabgewächse. Sie bildet eine unterirdische Knolle aus, die über 100 kg Gewicht erreichen kann. Erst nach mehreren Jahren kann aus der Knolle ein Blütenstand mit einer Größe von bis zu drei Metern hervorgehen. Nach dem Guinness Buch der Rekorde ist es die größte Blume der Welt (Rekord bei 3,10 Meter, Winnipesaukee Orchids in Gilford, New Hampshire, USA, 2010). Die Pflanze wurde in Sumatra (Indonesien) vom italienischen Botaniker Odoardo Beccari 1878 entdeckt. Sie ist in der Natur stark gefährdet, da ihr Lebensraum, der Regenwald, zerstört wird.



Schwierige Kultur

Die Pflanze, die jetzt in Berlin einen Blütenstand hervorbringt, stammt aus einer Nachzucht des Palmengartens Frankfurt von 2003 und geht auf eine am 11.5.1992 in Indonesien, Sumatra, in der Nähe von Padang gesammelte Wildherkunft zurück. Sie weist eine unterirdische Knolle auf, deren Gewicht regelmäßig beim Umtopfen der Pflanze im Ruhestadium gemessen wird. Beim letzten Umtopfen im April 2018 wog die Knolle 13 kg und ist damit noch recht klein – die aktuelle Entwicklung eines Blütenstandes ist also überraschend. Aufgrund des geringen Gewichts der Knolle wird er allerdings auch vergleichsweise klein ausfallen, die Wissenschaftler des Botanischen Gartens erwarten eine Blütenstandshöhe von etwa einem oder anderthalb Metern. Dennoch: Die Kultur der Titanenwurz ist sehr schwierig und eine Blüte somit ausgesprochen bemerkenswert. 2009, 2011, 2015, 2016 und 2017 bildeten andere Exemplare erfolgreich einen Blütenstand aus und wurde von zahlreichen Gästen im Botanischen Garten Berlin bestaunt.



Was wird nach der Blütezeit zu sehen sein?

Die Pflanze entwickelt nur ein einziges großes Laubblatt, welches jedoch mehrere Meter Höhe erreichen kann und einem kleinen Baum ähnelt. Nach bis zu 24 Monaten wird das Blatt eingezogen und die Knolle macht eine Ruhepause, bevor sie erneut ein Laubblatt oder nach mehreren Jahren auch einen neuen Blütenstand austreibt. Sofern der Blütenstand unter Kulturbedingungen nicht bestäubt wurde, lebt die Pflanze meist weiter. Werden jedoch nach künstlicher Bestäubung orangerote Beerenfrüchte ausgebildet (Reife erst nach ca. 8 Monaten), sterben die Pflanzen danach häufig ab.



Große Blume und kleine Blüte

Biologisch betrachtet handelt es sich bei der Titanenwurz um „die größte Blume der Welt“ und nicht um „die größte Blüte der Welt“. Die Blüten der Titanenwurz sind selber recht klein, doch sind mehrere hundert männliche und weibliche Blüten in einem großen kolbenförmigen Blütenstand vereint. Dieser Blütenstand wird insgesamt als „Blume“ bezeichnet, da er bestäubungsbiologisch eine Einheit bildet und wie eine einzige, riesige Blüte funktioniert.

Weitere News

Neuer Anbau, neue Räume, neue Ausrichtung - Museumsentwicklungsplan für das LWL-Museum für Naturkunde (10.7.2018)
Münster (lwl). Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) soll für die Entwicklung seines LWL-Museums für Naturkunde in Münster knapp elf Millionen Euro in die Hand nehmen, um den Erfolg des Museums zu sichern, das bereits zu den fünf meistbes...
Schenkungen anlässlich des Jubiläums bereichern die Sammlung der Staatsgalerie (7.7.2018)
Im Rahmen der digitalen Offensive wird die Erweiterung der Sammlung Digital kontinuierlich ausgebaut: Mittlerweile stehen 12.830 Kunstwerke online zur Verfügung. 2017 kam die Sammlung des Stuttgarter Kunsthistorikers Werner Sumowski mit 937 Werke...
Neue Geschäftsführung des Deutschen Künstlerbundes (5.7.2018)
Am 20. Juni 2018 hat Frau Dr. des. Angelika Richter die Geschäftsführung des Deutschen Künstlerbundes übernommen. Frau Richter tritt die Nachfolge von Katja Hesch an, die den Deutschen Künstlerbund in den letzten elf Jahren mit großem Erfolg ge...
Das Archäologische Museum hat sich seiner NS-Vergangenheit – im Rahmen eines vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste geförderten Forschungsprojekts – gestellt! (4.7.2018)
Erwerbungen zwischen 1933 und 1945 – Publikation, Vortrag und Präsentation Die Geschichte der Frankfurter Antikensammlung in der NS- und frühen Nachkriegszeit ist komplex und berührt alle für die Zeit relevanten Themenkomplexe. Viele Vorgän...
Bunte Bilder für die Ewigkeit: LWL-Archäologen öffnen Grafengruft in Arnsberg (2.7.2018)
Arnsberg (lwl). In Arnsberg haben Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) eine Entdeckung gemacht, die europaweit eine Seltenheit ist: Im Kloster Wedinghausen haben die Wissenschaftler im Zuge von Sanierungsarbeiten die mittelalte...
Victoriahaus im Botanischen Garten Berlin wieder geöffnet (15.6.2018)
Eine der weltweit wichtigsten Wasserpflanzen-Sammlungen nach 12 Jahren wieder ein Highlight Zusammen mit hunderten weiteren tropischen Sumpf- und Wasserpflanzen ist die beliebte Riesenseerose Victoria wieder im Herzen der Gewächshausanlage des B...
Andreas Kornacki zum kaufmännischen Geschäftsführer von Marta Herford bestellt (17.5.2018)
Im Rahmen einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung wurde gestern Andreas Kornacki zum neuen kaufmännischen Geschäftsführer der Marta Herford gGmbH gewählt. Bereits seit Anfang Mai ist er zugleich auch Geschäftsführer der Kultur Herfor...
Dr. Mechthild Black-Veldtrup ist neue Vorsitzende der Historischen Kommission für Westfalen beim LWL (15.4.2018)
Beckum/Westfalen (lwl). Die vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) getragene Historische Kommission für Westfalen hat eine neue erste Vorsitzende: Dr. Mechthild Black-Veldtrup ist von der Mitgliederversammlung der Kommission am Freitag (13.4.)...
Neuerwerbungen für das Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg (12.4.2018)
Die Sammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie wurde kürzlich um ein neues Kunstwerk erweitert. Die filigrane Konstruktion aus Holz und transparentem Papier des Objektkünstlers und Grafikers Ulrich Behl (1939 Arnswalde / Pommern, Choszczno / Pole...
Die Ausstellung „Invisible Outer Space. Jakub Nepraš. Videoskulpturen“ haben in Regensburg knapp 10.000 Besucher gesehen (28.3.2018)
Am Wochenende strömten die Gäste ins Kunstforum Ostdeutsche Galerie, um die Videoskulpturen von Jakub Nepraš nochmals zu sehen. Bei der Finissage nutzten viele die besondere Gelegenheit, den Medienkünstler persönlich zu sprechen. Mit der Fin...
Verbund Kunstmeile Hamburg lockt in 2017 rund 1 Millionen Besucher_innen in ihre fünf renommierten Kunsthäuser (15.2.2018)
Rund 1 Millionen Besucher_innen haben im Jahr 2017 die fünf Museen und Ausstellungshäuser der Kunstmeile Hamburg besucht. Damit etabliert sich der Verbund aus Hamburger Kunsthalle, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Bucerius Kunst Forum, Deicht...
MUSEEN, BIBLIOTHEKEN UND ARCHIVE FORDERN DRINGEND NOTWENDIGE POLITISCHE UNTERSTÜTZUNG ZUR SICHTBARMACHUNG IHRER SAMMLUNGSBESTÄNDE IM DIGITALEN RAUM (15.2.2018)
MÜNCHEN, DEN 15. FEBRUAR 2018 Museen, Bibliotheken und Archive eint im Rahmen ihres Bildungsauftrags als Gedächtnisinstitutionen der gemeinsame Wunsch, sich im Umgang mit ihren Sammlungsbeständen den Bedürfnissen des 21. Jahrhunderts anzupasse...
Handlungsraum Museum_Erfolgreiches Kooperationsprojekt für Menschen mit Demenz findet im Weltkulturen Museum seinen Abschluss (25.1.2018)
„Handlungsraum Museum - Künstlerisch-ästhetische Praxis und Demenz“ ist ein Vermittlungsprojekt für Menschen mit Demenz des Weltkulturen Museums in Zusammenarbeit mit dem Alten- und Pflegeheim Anlagenring in Frankfurt am Main. Das auf ein Jahr...
Bundeskunsthalle ist eines der besucherstärksten Häuser Deutschlands (10.1.2018)
Die Bundeskunsthalle in Bonn blickt mit 610.000 Ausstellungs- und Veranstaltungsbesuchern im Jubiläumsjahr 2017 auf eines der besucherstärksten Jahre seit ihrem Bestehen zurück und konnte die Resonanz im Vergleich zum Vorjahr nochmals um fast zehn...
Paula Modersohn-Becker Kunstpreis 2018 Ausschreibung (4.1.2018)
Ab sofort sind Künstlerinnen und Künstler mit biografischem Bezug zur Nordwest Metropolregion aufgerufen, ihre Bewerbungen einzureichen. Der biografische Bezug ergibt sich aus ehemaligem oder aktuellem Wohnort, Geburtsort oder insgesamt mindest...
Peter und Irene Ludwig Stiftung und Stadt Köln unterzeichnen Vertrag (31.12.2017)
Zuwendungen der Stiftung an das Museum Ludwig für drei weitere Jahre gesichert Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Susanne Laugwitz-Aulbach, Beigeordnete für Kunst und Kultur der Stadt Köln, Dr. Brigitte Franzen, Vorstand der Peter und Irene...
Neuer Besucher-Rekord - Die LWL-Museen knacken erstmals die 2-Millionen-Marke (30.12.2017)
Im Jahr 2017 haben die Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) mit 2,2 Mio. Besuchern mehr Gäste verzeichnet als jemals zuvor. Dies lag insbesondere an der alle zehn Jahre stattfindenden Sonderausstellung Skulptur Projekte, die alleine...